Die Geschichte des Rheingauer Mundartvereins e.V.


1984 habbe neun Rheingauer Persönlichkeite, dodrunner aach de Dr.h.c. Josef Staab, Karla Wiesinger, Hermann Becker, Gisbert Keßler, Rosemarie Seyffardt, Walter Müller, Hedwig Witte, Roswitha Ohl un ich de Rheingauer Mundartverein als eingetraachene Verein gegründt. Die erste Vorsitzende war Hedwig Witte. Unser Hauptprojekt: "Die Hallgartner Jungfer".

Ich möchte Ihnen mit einem Auszug aus meinem ersten Mundart Buch "Wie en Spatz in de Kniddele" vom turbulenten Enstehen dieses ersten Theaterstücks vorlesen.

„Die Mussik hot de Musikprofessor Hans Hohner aus Eltville geschribbe. Der war im Rheingau dorch sei Männergesangsgrupp, die "Hohner-Sänger", bekannt, un die hot er aach gleich mitgeliffert.

Unser Rheingauer Original war de Walter Müller. Der kannt sei Roll als Ortsbüttel schon aus de 50er Jahrn, un der war jetzt erst im richtiche Alter für die Roll un hatt sich mittlerweile zu eme gestannene Rheingauer "Henry Vahl" entwickelt. Mei Mudder, Rosemarie Seyffardt, war die Jungfer selbst, ich war als "Luwiss" die Dochter vom Herr Traubedrücker un ruckzuck hatte mer unner annerem aach aus aus em Martinsthaler Gesangverein die restliche Spieler beisamme. Ungefähr 25 Rolle sin verdeilt worn.
Es gab ville Rolle als stumme Weintrinker. Die hatte de meiste Spass, weil se kaan Text zu lerne brauchte un des gelechentliche "Prost" war geläufisch genuch.
Des alte Bühnebild habbe mer uffem Speicher bei de Familie Witte gefunne un restauriert, un mein Vadder un de Karlheinz Roth habbe wie in alde Zeite noch e paar Häusercher un en Keller dazugebaut. Des Ganze hot jo in em Weigut gespillt, wo es um des Fass Wei mit dem Lagename "Hallgartner Jungfer" ging und um die Person, des Jungfer Sannche, des uff den Winzer un des Weigut spekeliert hot.

Die Vorbereidunge liefe reibungslos.

Am 7. April 1984 war Premiere im Oestricher Bürcherhaus. Proppevoll war´s. Jetzt musst des Stick nur noch de Leut gefalle.
Mer hatte vill un oft geprobt un trotzdem war des Lampefieber bei manche Spieler so groß, dass se sich vorher mit Wei zimmliche Mut aa´trinke musste. Dass der aa` odder anner debei allerdings aach sein Text vergesse hot, hatte mer vorher nit in Betracht gezooche.

Abber weil im Saal alle Leut aach en Schoppe geleppert habbe, konnt sich so mancher Patzer im Laufe des Obends unbemerkt verspille.

Un so hots aagefange. Vorm geschlossene Vorhang hot de Walter mit ere groß Schell gebimmelt un sein Proloch gehalle.
Dann ging hinne im Saal die Dier uff. Erin kame die Leser und Leserinne von de Traubeles, die uffem Leiderwaache en groß Fass gezooche habbe un obbe druff hot des Jungfer Sannche als Herbstmuck gehockt un gesunge.

Die Stimmungswooche im Saal sin hochgeschlaache, und die Leit habbe sofort aagefange zu schunkele. Derweil hot sich die fröhlich Lesegesellschaft uff de Biehn verdeilt un aa`gefange zu esse un zu trinke. Die Requisite warn immer echt: Es gab echte Wei un heiß Fleischworscht, do warn die Spieler gleich in de richtiche Stimmung.

Mei Mudder als Jungfer Sannche war mit ihrm Gesang sofort de Publikumsliebling.
Des Publikum war begeistert un hot gekrische un gelacht. Insgesamt war die Resonanz bei de Leit übber des scheene Rheingauer Theaterstick so groß, dass mir noch zwaa Jahr lang mit unserer "Jungfer" fast im ganze Rheingau rumgezooche sin un domit de Mundartverein bekannt gemacht habbe.“
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Soweit also der Beginn.

Danach entstanden alle zwei Jahre neue Theaterstücke. Die Aktiven wurden immer wieder in neuen Rollen besetzt und so entstand mehr und mehr ein über die Grenzen des Rheingaus hinaus bekannter Verein, der Mundartstücke, meist mit Musik, Herzblut und Komik gekonnt auf die Bühne brachte.
Hier ist zu erwähnen, dass auch unser Ehrenmitglied Gerd Kremer mit seiner Musik und unser Ehrenmitglied Alfred Becker als Autor dem Verein zu seinem anerkannten Status verholfen haben.

Außer den Mundartstücken veranstaltet der Verein jährlich am ersten Sonntag im August seine Mundartmatinee zu Ehren der Gründerin und Heimatdichterin Hedwig Witte, die im Jahr 1991 verstorben ist.
Begonnen haben wir mit 12 Akteuren und 10 Zuschauern am Hedwig-Witte-Blick im Wald von Kiedrich. (storytelling)

Nach 3 Jahren "zogen wir um" zur Ruine Scharfenstein. Wir blieben beharrlich bei diesem Termin. Bis heute. An jedem 1. Sonntag im August pilgern begeistertete Mundartzuhörer durch die Weinberge auf die Burgruine Scharfenstein oder lassen sich von der Freiwilligen Feuerwehr Kiedrich im Pendelverkehr mit dem Auto fahren.

Diese Veranstaltung hat sich mittlerweile zu einem tollen Magnet im Rheingauer Kulturleben entwickelt. Bei diesem Mundartvormittag haben wir mittlerweile bis zu 600 Zuschauern und weiterhin wechselnd 12 -14 Akteuren. Mit Bürgermeister Steinmacher aus Kiedrich und seiner Mannschaft von der Freiwilligen Feuerwehr sind wir ein eingeschworenes Team, das auch weiterhin diese Veranstaltung durchführen wird.

Die Jugendgruppe des Vereins sind die "Rheingauer Schlappmäulcher". Kinder, im Alter zwischen 6 und 12, die zunächst Gedichte, später auch Theaterstücke in Mundart aufführten. Für unser Jubiläumsjahr 2014 wird das neue Stück“ En gude Jahrgang“ von Just Scheu und Ernst Nebhut am 29.5. in Winkel in der Brentanoscheune uraufgeführt. (storytelling)

Der Verein ist mit seinen Aktiven durchaus ein Vorzeigeverein im Rheingau geworden, der auch von anderen Vereinen gern eingeladen wird, um dort einiges zum Besten zu geben.
Sein 30 jähriges Bestehen feiert der Verein am 30.3.2014.


Ulrike Neradt